Rolf Murbach

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Literaturtipps:

Goldberg, Natalie, Schreiben in Cafés Goldberg, Natalie
Schreiben in Cafés
2003, Autorenhaus Verlag

Ein Ratgeber für kreatives Schreiben

 

(Besprechung von Rolf Murbach im SVB-Bulletin)

Schreiben im Café. So stellt man sich das vor: ein, zwei Stunden an einem Bistrotischchen sitzen und einfach schreiben. Notieren, was einem in den Sinn kommt, über etwas nachdenken, eine Kurzgeschichte erfinden. Die Menschen gehen ein und aus, trinken Kaffee und plaudern. Aber sie stören nicht. Im Gegenteil, man ist erstaunlich konzentriert.

Die amerikanische Schriftstellerin und Dozentin für Creative Writing Nathalie Goldberg macht es so. Sie geht in Cafés und schreibt. In ihrem Bestseller «Schreiben in Cafés» empfiehlt sie ihren Leserinnen und Lesern, es ihr gleichzutun. Einen Ort aufsuchen, wo man sich wohl fühlt, und schreiben.

Darum geht es Nathalie Goldberg in ihrem Buch: um die Freuden und Leiden beim Schreiben. Sie vermittelt Techniken, die den Schreibfluss anregen, gibt Tipps, wie man mit Blockaden umgeht, zeigt auf, wie man Themen entwickelt und lobt die Lust, die man empfindet, wenn eigene Gedanken aufs Blatt fliessen. Viele Menschen schreiben gerne, haben im Schreiben ein Medium entdeckt, das ihnen einen Zugang zu sich und der Welt ermöglicht und ihnen ein gutes Gefühl vermittelt. Andere Menschen wiederum würden gerne schreiben, aber sie sind blockiert, wissen nicht, wie sie ihre Gedanken aufs Blatt bringen sollen, oder sie nehmen sich die Zeit nicht dazu.

Der Ratgeber der amerikanischen Autorin richtet sich an alle Schreibinteressierten, an Menschen, die das Handwerk entwickeln wollen. Nathalie Goldberg erzählt persönlich, schliesst Privates nicht aus – weil schreiben und leben sich bedingen. Ein akademisch abgehobener Stil liegt ihr fern. Sie spricht die Leserinnen und Leser an, erzählt von eigenen Erfahrungen. Sie berichtet über ihre Schwierigkeiten, die sie in ihrem Beruf als Schriftstellerin immer wieder erlebt, über Höhen und Tiefen und über ihre Arbeit als Creative-Writing-Lehrerin. Sie lässt den Leser und die Leserin an ihrer Begeisterung für das Schreiben teilhaben.

Man kann den Ratgeber in einem Zug lesen oder einzelne Kapitel herauspicken. In abgerundeten zwei-, dreiseitigen Kapiteln schreibt Goldberg über Themen und gibt handfeste Tipps. Die Überschriften lauten etwa: Erste Gedanken; Schreibtraining; Ärger mit dem inneren Lektor; Was vor Ihren Augen liegt; Grundwasser fördern; Mann verspeist Auto; Themen, die Sie nicht loslassen; Die Liebe zum Detail; Ein Raum zum Schreiben; Schreiben Sie überall; Warum schreibe ich?

Die Autorin schlägt auch Themen vor, worüber man Texte verfassen kann, nämlich über alles. Über Alltägliches und Ungewöhnliches, über den gestrigen Tag, über eine Begegnung, einen Spaziergang, einen Ort oder über Freunde. Im Schreiben dürfe man alles: nacherzählen, beschreiben, erfinden. Die Freiheit ist gross; wer schreibt, für den ist alles möglich. Aber man muss es tun. Goldberg plädiert für ein regelmässiges Training. Denn nur wer häufig schreibt, entwickelt eine eigene Stimme.

Und was bringt das Buch für das berufliche Schreiben? Vordergründig nichts. Es geht hier um kreatives Schreiben, um die Möglichkeiten, die dem Schreiben innewohnen. Wie man etwas auf den Punkt bringt, wie wir einen verbalen Stil entwickeln und zu viele Nomen vermeiden, das liest man besser in einer Stilistik nach. Auf den zweiten Blick allerdings zahlt sich die Lektüre eines Buches über Creative Writing auch im Hinblick auf berufliches Schreiben aus. Denn: Wer das Schreiben als etwas Lustvolles erlebt und durch spielerisches Training sich seiner Erzählstimme nähert, dem wird das Gelernte auch bei der Arbeit zu Gute kommen. Das Protokoll und der Geschäftsbrief gehen dann plötzlicher leichter von der Hand, die Texte sind griffiger, Blockaden selten.

Eine kleine Einschränkung. Nathalie Goldberg spricht die Leserinnen und Leser häufig an. Einzelne Kapitel wirken dadurch etwas belehrend. Dies mag auch mit dem Genre der amerikanischen Ratgeber-Literatur zu tun haben. Ich ziehe allerdings diese Schreibe einem unpersönlichen akademischen Stil vor. Und die Aussicht, in einem Café zu schreiben, finde ich wunderbar.


Rolf Murbach | Schwerzistrasse 10 | 8606 Nänikon | Tel. +41 79 374 59 72 | rolf.murbach@bluewin.ch